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13.02.2018

„Wie sieht dein Europa aus?“ – Rückblick zum EuropaCamp 2018

Foto: David Ausserhofer

Interaktive Workshops mit dem Publikum, kontroverse Podiumsdiskussionen, spannende Keynotes – am 2. und 3. Februar 2018 hatte die ZEIT-Stiftung zum ersten EuropaCamp in die Internationale Kulturfabrik Kampnagel eingeladen. Über 800 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen an den beiden Tagen und beteiligten sich unter dem Motto „Wie sieht dein Europa aus?“.

Das Projekt Europa offen diskutiert
„Europa steckt in einer Krise. Auch viele Hamburger – 47 Prozent – machen sich Sorgen um die Zukunft Europas. 41 Prozent sind aber zuversichtlich. Das hat das Meinungsforschungsinstitut forsa in unserem Auftrag herausgefunden“, sagte Prof. Dr. Michael Göring, Vorsitzender des Vorstands der ZEIT-Stiftung, zur Eröffnung des EuropaCamp. „Diese geteilte Stimmung haben wir aufgegriffen und die Teilnehmenden dazu angeregt, offen über Europa zu debattieren und eine eigene Position zu finden.“

Rethink. Reload? Reclaim!
Wohin geht es mit Europa? Diese Frage zog sich als roter Faden durch die Veranstaltung. Mit Rechtspopulismus und der aktuellen EU-Krise beschäftigten sich gleich mehrere Programmpunkte, unter anderem auch ein interaktiver Workshop für das Publikum. Viele waren sich darin einig, dass man den Rechtspopulisten mit einer klaren Sprache und einer deutlichen Haltung begegnen müsse. In der Diskussion mit dem Satiriker Jan Böhmermann, der Journalistin Melanie Amann und der Politologin Almut Möller forderte der Soziologe Frank Decker jedoch auch ein, den Ursachen zu begegnen. Er nannte als solche die soziale Ungleichheit, die Folgen der Globalisierung sowie das Gefühl vieler Menschen, ihre kulturelle Identität verloren zu haben – ein Begriff, den Jan Böhmermann dann doch hinterfragt sehen wollte.


Möglichkeiten der Integration ausschöpfen
Die Flüchtlingskrise wurde unter anderem als Konfliktlinie zwischen West- und Osteuropa betrachtet. Beim EuropaCamp wolle man aber nicht nur über, sondern vor allem auch mit Flüchtlingen reden, erklärte Sascha Suhrke, Programmleiter Politik und Gesellschaft der ZEIT-Stiftung. Er moderierte die Diskussion, die nach der Vorführung des Dokumentarfilms „Als Paul über das Meer kam“ über neue Möglichkeiten der Migrationspolitik verhandelte und bei der der Protagonist des Films, Paul Nkamani aus Kamerun, einer der Teilnehmer war. Die Möglichkeiten der Integration seien längst nicht hinreichend ausgeschöpft, so war mehrfach von einzelnen Diskutanten zu hören, während andere die Obergrenzen des Zuzugs verteidigten.

Ist eine europäische Republik realistisch?
Auf die Frage, wie sich die deutsche Europapolitik entwickeln wird – insbesondere im Vergleich zu den vielgelobten Visionen des französischen Präsidenten Macron – fanden die Diskussionsteilnehmer und Besucher ganz verschiedene Antworten. Engagiert stritten sich zum Beispiel die Politologin und Europa-Expertin Ulrike Guérot und der SPD-Finanzpolitiker Peer Steinbrück über die Vision einer europäischen Republik unter Aufgabe der staatlichen Souveränität – für Steinbrück eine vollkommen idealistische Vorstellung.

Auch der Blick von außen kam nicht zu kurz: In ihren Keynotes berichteten Robin Niblett aus Großbritannien und der ehemalige Europa-Berater von Obama, Charles Kupchan aus den USA, über die jeweiligen Haltungen ihrer Länder zu Europa. Hier wurde besonders deutlich, dass große Hoffnungen auf Europa liegen und man in den jeweiligen Ländern vor allem auf das Verantwortungsbewusstsein Europas setzt.

Nachwuchs für Europa
Sehr engagiert wurde auch im Workshop für Kinder diskutiert. Die jungen Teilnehmer schlüpften in die Rollen von europäischen Ministern und diskutierten die europaweite Einführung der Lebensmittelampel – so konstruktiv und wertschätzend, wie man es sich für die reale Politik nur wünschen kann.

Immer wieder wurde deutlich, dass große Hoffnung auch auf der jüngeren Generation liegt, und die war nicht nur im Publikum vertreten: Der Blogger und Autor Johnny Haeusler moderierte eine Diskussion mit jungen Medienmachern wie der YouTube-Reporterin Lisa Sophie Laurent über die „vermeintliche Politikverdrossenheit bei den Digital Natives“.

Politik meets Kultur
Einer der Reize des EuropaCamps lag in der Begegnung der Akteure aus verschiedenen Bereichen. Da diskutierte der Schriftsteller Robert Menasse nach der Lesung aus seinem Europa-Roman „Die Hauptstadt“ mit Hamburgs Zweiter Bürgermeisterin Katharina Fegebank und dem Intendanten des Thalia-Theaters, Joachim Lux. Journalisten tauschten sich über ihre Sicht auf Europa als Korrespondenten aus.

Für das Scheitern Europas nicht verantwortlich sein
Ob Europa scheitern kann, eventuell sogar schon gescheitert ist, führte dann in der Abschlussrunde noch einmal zu einer kontroversen Diskussion: Während die Politiker Cem Özdemir und Niels Annen sich eher optimistisch zeigten, konstatierte der bulgarische Politologe Ivan Krastev, die EU sei bereits gescheitert. Die Chance bestehe darin, den Wandel zu begreifen und aktiv zu gestalten.

Vielstimmiges Konzert von Europa
Am Ende zeichnete das EuropaCamp ein positives Bild von Europa: ein vielstimmiges Konzert, in dem sich nicht immer alle einig sind, in dem aber alle – durchaus auch kontrovers – miteinander reden und letztlich die Hoffnung überwiegt, der europäische Gedanke möge sich durchsetzen. Man wolle der nachfolgenden Generation nicht irgendwann eingestehen müssen, für das Scheitern von Europa verantwortlich gewesen zu sein, sagte Cem Özdemir in der Abschlussrunde.

Alle Camp-Teilnehmer konnten beide Tage mit Aufführungen und Performances zum Thema Europa ausklingen lassen.

Interaktive Diskussionen – off- und online
Nicht nur vor Ort, sondern auch im Netz war die Resonanz zum Thema Europa groß: Auf Twitter debattierten Teilnehmende und Speaker unter dem Hashtag #MyEurope. Auf der Webseite zum EuropaCamp konnte jeder seinen persönlichen Europa-Hashtag einsenden und so Teil der großen Hashtagcloud werden, die im Foyer gezeigt wurde. Vor Ort lagen am Fotocorner viele Hashtags für eigene Selfies bereit. Mehrere Blogger berichteten live vom EuropaCamp.

Debatte geht weiter
„Mit dem EuropaCamp ist es uns gelungen, einer kontroversen, offenen Diskussion über Europa quer durch die Gesellschaft Auftrieb zu geben. Wir arbeiten dafür, dass die Debatte weitergeht“, sagt Sascha Suhrke, Programmleiter Politik und Gesellschaft der ZEIT-Stiftung.

Auf twitter.com hält die ZEIT-Stiftung alle Interessierten auf dem Laufenden.

Ausschnitte aus der Berichterstattung über das EuropaCamp:

ndr Kulturjournal
Hamburger Abendblatt
taz
Blog Lost in Europe
Blog Buddenbohm & Söhne
Blog Telepolis
Blog Elbmelancholie
Netzwerk Europäische Bewegung Deutschland

Programm

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